AGV Sängerbund Bietigheim e.V.

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Vereinsgeschichte

 

 

 

In der Menschheits- oder auch Dorfgeschichte sind 91 Jahre eine sehr kurze Zeitspanne, doch beinhalten sie viel für einen Verein, der in dieser Zeit eine wechselvolle Geschichte erlebt hat. So muss erwähnt werden, dass 1933 alle geschichtlichen Dokumente des Vereins verloren gingen. Nur durch Befragen älterer Mitglieder und Dorfbewohner ist es möglich, auch über die Gründungsjahre zu berichten

Kurz nach dem ersten Weltkrieg fanden sich, trotz der schwierigen Zeit, am 1. Oktober 1920 eine große Anzahl junger Männer im Gasthaus zum „Hirsch“ ein und gründeten den „Sängerbund“. Ganze 57 Mitglieder zählte der Verein an seinem Gründungstag. Kurt Lindner wurde zum ersten Vereinsvorsitzenden gewählt. Als Chorleiter wurde Eustachius Kühn aus Ötigheim engagiert, Vereinlokal war weiterhin der „Hirsch“. Von freiheitlichem Geiste erfüllt und aus Liebe zum Gesang bereit, traten immer mehr Mitglieder und Sänger dem Verein bei. Beliebt waren neben den Volksliedern auch Chöre, in denen Ehre und Treue, sowie Freiheit und Brüderlichkeit besungen wurde. Nach kaum einem Jahr hatte sich die Mitgliederzahl auf 178 erhöht, davon 90 Sänger. Konzerte und Auftritte ließen nicht lang auf sich warten. 1923 beteiligten sich die sich die Sänger beim Wertungssingen des Gau Baden in Rastatt. Dort wurde unter der Gruppe „Landvereine“ der erste Platz erreicht, eine schöne Anerkennung der gesanglichen Leistungen. Durch die wirtschaftlich schwierige Lage in Deutschland mussten viele Sänger, darunter waren viele Bauhandwerker, zu entfernten Arbeitsplätzen fahren, hauptsächlich in das Saargebiet und in das nahe Elsass. Über 20 Sänger wanderten aus nach Übersee. Aus der Not machte man eine Tugend und entschloss sich, Frauen in den Chorkörper aufzunehmen. In dieser Zeit trat Karl Schenkel den Posten des Vereinsvorsitzenden an. 1933 wurde durch die NSDAP das Vereinsvermögen, das ganze Notenmaterial und die Vereinsfahne beschlagnahmt. Sämtliche greifbaren schriftlichen Unterlagen, Gründungsprotokolle und Bücher wurden den Verwaltungsmitgliedern weggenommen. Lediglich das Mitgliedsbuch mit den Eintragungen von 1920 – 1925 blieb erhalten. Zu den Millionen Gefallener und Vermisster des zweiten Weltkrieges zählen auch zahlreiche ehemalige Sänger und Mitglieder. Im Sommer 1946 wurde die Genehmigung zur Wiedergründung erreicht.

22 Personen fanden sich am 30.6.1946 wieder im Gasthaus „Hirsch“ ein, der Neubeginn in einer schwierigen Zeit, die noch um vieles katastrophaler war als bei der Gründung, wurde gemacht. Viele Sängerkameraden waren noch in Gefangenschaft, so dass am 31.8.46 nur ganze 12 Sänger in der ersten Singstunde waren. Dirigent Schreck aus Karlsruhe war der erste Chorleiter nach dem Krieg. Vorsitzender war wieder Karl Schenkel bis zur Wahl von Karl Melzer im Jahre 1948. Im November 1949 wurde ein vereinseigener Flügel angeschafft. Unter seinem jungen Dirigenten Horst Hermann erreichte der Chor beim Jubiläumsfest in Elchesheim beste Benotungen durch Musikdirektor P. Seeger aus Offenburg. Am 12. Juli 1953 fand die zweite Fahnenweihe statt. Die Patenschaft übernahm der hiesige MGV „Badenia“, gute Unterstützung erfolgte auch durch den MGV „Frohsinn“ und die anderen örtlichen Vereine. 80 Sänger zählte der Chor unter dem Festdirigenten Herbert Raub aus Rastatt. 1959 übernahm Chordirektor ADC Fritz Barth aus Bruchsal den Dirigentenstab. In Viktor Berger aus Ettlingen fand der Verein einen würdigen Nachfolger, da man sich von Fritz Barth getrennt hatte. Der langjährige Schriftführer Hans Hammer übernahm 1964 den Vereinsvorsitz. Das 50. Jubiläumsfest war ein Glanzpunkt in der Vereinsgeschichte. Über 30 Gastvereine kamen in diesen Tagen nach Bietigheim. Am 8. Oktober 1972 wurde die Ausrichtung der Jahreshauptversammlung des Mittelbadischen Sängerkreises übernommen. Bereits im Frühjahr hatte Hermann Rapp von Paul Schorpp den Posten des Sängervorstandes übernommen. Ein Knabenchor wurde am 28.2.1975 unter der Leitung des Dirigenten Viktor Berger gegründet. übernahm wieder für weitere zwei Jahre das Vereins-Ruder“.

Zum 60jährigen Vereinsbestehen wurde im März 1980 in der katholischen Kirche die Haydn-Messe aufgeführt und am Karfreitag wiederholt. Aus Alters- und gesundheitlichen Gründen übergab am 1.4.1981 Berger den Dirigentenstab an Gerhard Berberich, der aber wegen gewisser Probleme nicht lange blieb. Anfang 1982 wurde Studienrat Wilfried Moser als Chorleiter verpflichtet. Unter Bezuschussung durch Gemeindemittel wurde ein neues Piano angeschafft, das heute noch bei den Singstunden gespielt wird. Nach rückläufigen Sängerzahlen trennte man sich von Moser und engagierte Martin Marzoll. Am 11.3.1994 übernahm Volker Bork für kurze Zeit den Vereinsvorsitz. Hans Hammer, der 30 Jahre lang dem Verein vorstand, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt und übernahm wieder für weitere zwei Jahre das Vereins-Ruder“.

Das 75jährige Bestehen des Vereins wurde am 8.4.1995 mit einem Festkonzert eingehend gefeiert. Nach einer 2jährigen Amtszeit von Andreas Peinelt als Vereinsvorsitzender übernahm am 24.3.2001 Hermann Rapp den Vereinsvorsitz, den er noch bis heute inne hat.

Geselligkeit und Kameradschaft stehen beim AGV „Sängerbund“ im Vordergrund. So wird seit der Widergründung alljährlich die Weihnachtsfeier bzw. Winterfeier abgehalten, um mindestens einmal im Jahr die Vereinsfamilie beisammen zu haben. In jährlichem Wechsel werden zudem Vereinsausflüge und Vereinsabende durchgeführt. Beiden  Bietigheimer Dorf- und Volksfesten ist der Verein auch immer tatkräftig vertreten.

Am 9.10.2003 war es soweit. Nach reiflicher Überlegung wurde wieder ein Frauenchor gegründet. In der Gründungsversammlung hieß der Vorsitzende Rapp 15 Frauen als Gründungsmitglieder willkommen und betonte, dass dies die Zukunft und das Überleben des Vereins sein wird. Der Verein hatte zu dieser Zeit nur noch 22 Sänger und der Altersdurchschnitt war erheblich auf über 70 Jahre gestiegen und neue Sänger wurden keine mehr gefunden. Mittlerweile hat sich der Frauenchor als fester und zuwachsreichster Bestandteil des Vereins erwiesen. Die Mitgliederzahl hat sich immens erweitert. Der Namen des Vereins musste auch nicht geändert werden, da von Anbeginn an der Verein als Arbeitergesangverein, also AGV und nicht als MGV benannt war. Das Thema „Sänger- und Sängerinnenwerbung“ ist aber heute mehr denn je Hauptpunkt der Verwaltungsarbeit. In der Zwischenzeit wurden der Männerchor und der Frauenchor zusammengeführt, so dass die Sängerinnen und Sänger nur noch als Gemischter Chor auftreten.

Heute ist der AGV „Sängerbund“ als Kulturträger und fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft Bietigheims fest verankert. Viel Idealismus, besonders von Vorstandschaft, Aktiven und Passiven, waren und sind hierzu weiterhin Voraussetzung. Die Gemeinsamkeit wird in unserem Verein ganz GROSS geschrieben, man spricht auch von einer intakten großen "Vereinsfamilie".

Nach eingehender Suche hat sich der „Sängerbund“ im Jahr 2007 für einen neuen qualifizierten Chorleiter entschieden. Wilfried Armbrecht mit Wohnsitz in Karlsruhe hat zum 1.4.2007 die musikalische Leitung des Gemischten Chores von Martin Marzoll, der über 25 Jahre den Männer- und später den Frauenchor leitete, übernommen und leitet fortan sehr erfolgreich den Chor unseres Vereins. Nach einem bewunderswerten und von den Medien hochgelobtem grandiosen Konzert im 90. Jubiläumsjahr (2010) setzt unser Gemischte Chor unter dem Dirigat ihres Chorleiters Wilfried Armbrecht sein erfolgreiches Schaffen fort.

Bei der Jahreshauptversammlung am 8.4.2011 gab Hermann Rapp nach 57 Jahren erfolgreicher Vereinsarbeit seinen Vorsitz als 1. Vorstand des Vereins in jüngere Hände. Konrad Axtmann als neuer 1. Vorstand wurde von der Versammlung, darunter mittlerweile 44 Aktive (25 Frauen und 19 Männer), einstimmig gewählt und ernannte postum Hermann Rapp ob seiner großen Verdienste um den AGV "Sängerbund" zum Ehrenvorsitzenden.

 

 

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